„’nen Draht kriegen zu den Leuten, die vor dir sitzen!“

Vollständiges a:k-Interview, 4. Teil: Sprach- und DS-Lehrerin Frau Pack über ihre Entscheidung, Lehrer zu werden

about:kurt: Frau Pack, an dem Tag, als Sie realisiert haben, dass Sie Lehrerin werden wollen, was war da los?

Frau Pack: Was ist da schief gelaufen … (lacht) Oh mein Gott … Das war kein einzelner Tag! Also nach dem Abi wusste ich überhaupt nicht, was ich werden will, null! Und ich wusste aber, dass ich erstmal reisen will. Und das hab ich getan. Einmal um die Welt! Vor allem im Ausland leben wollte ich, und dann war ich in London für ein halbes Jahr, blieb aber noch länger. Und auf dieser Reise hab ich halt immer wieder mal nachgedacht, was ich eigentlich will. Und ich war sehr angefixt vom Reisen und vom Ausland. Und hab gedacht: okay, Sprachen! Sprachen haben mich sowieso immer fasziniert. Und dann dachte ich, wenn ich Spanisch und Englisch hab, dann deck ich ja fast alles ab! Und Spansich konnte ich noch nicht und ich wollte unbedingt noch eine neue dazu. Ah, ich hatte auch Lust auf Japanisch, aber ich wusste ja, dass das kein Schulfach ist. Genau – und dann hab ich gedacht (haut auf die Lehne) ich hab ja irgendwie dieses pädagogische Gen in der Familie – mein Vater auch und viele andere und ich hab’s auch in mir gespürt. Hab Nachhilfe gegeben und alle möglichen Sachen. Und dann hab ich gedacht: aber dann verbinde das doch! Dann mach doch Fremdsprachen und unterrichte die und dann kannst du das überall auf der Welt machen. Und das war dann der Plan.
Und dann hab ich gedacht, dann will ich auch nicht in Berlin bleiben, langweilig, sondern ich guck’s mir mal an, wie’s in ’ner Kleinstadt ist, ganz woanders in Deutschland, geh ich mal in den Süden. Und dann hab ich in Heidelberg angefangen zu studieren. Und ich hab ja dann auch Schul-Praktika gemacht und dabei hab ich schon gemerkt, dass das irgendwie passt. Ich hab dann die zweite Hälfte vom Studium in Berlin gemacht, dazwischen war ich ein Jahr in Madrid, und dann kam das Refandariat und da hab ich dann gemerkt, jetzt bin ich für’s deutsche Schulsystem ausgebildet, jetzt will ich das auch hier in Berlin probieren. Jetzt war ich davon angefixt. Ich hatte ja dann schon zahlreiche Reisen zwischendurch gemacht, in den Semesterferien, und hatte dann irgendwie das Gefühl: jetzt ist es auch okay, hier zu sein! Ich will gar nicht unbedingt diesen Ursprungsplan durchziehen, überall anders nur nicht hier zu unterrichten. Ich fand’s dann halt grad cool hier!
Aber ich denk auch jedes Mal: Und, willste noch? Also ich hab keine Lust, in so’ne Routine zu verfallen und nur Lehrerin zu sein, weil ich’s jetzt nun grad mal bin. Weil ich denke, ich kann auch alle möglichen Varianten von Sprachunterricht noch machen. Ich muss ja nicht im deutschen Schulsystem bleiben. Ich hinterfrag mich da immer wieder. Oder auch an andere Schulen, an Reformschulen zu gehen.
… Und dann hab ich gemerkt, Englisch und Spanisch sind zwei Korrekturfächer, aaaahh! (lacht)

Heißt?

Man hat sauviel zu korrigieren!! Dann hab ich gemerkt, dass ich das nicht so toll finde. Und dann kam ich auf die Idee mit dem Darstellenden Spiel. Weil ich sowieso in meinem Zweitleben auch auf der Bühne stehe, mit verschiedenster darstellender Kunst. In DS schreiben wir zwar auch Klausuren, aber spielpraktische. Man kann nämlich Szenen spielen lassen. Und dazu schreiben.

Und die werden dann improvisiert, oder wie?

Ja, zum Beispiel. Je nachdem, was das Projekt grade braucht. Das finde ich auch gut, dass die Klausur dem Projekt dienen kann, da macht die Klausur mehr Sinn.
Die Klausuren dauern dann natürlich auch länger als normale. Wegen der Vorbereitungszeit, und dann müssen’s ja alle noch zeigen. Und dann film’ ich das meistens, weil ich’s nicht so schnell bewerten kann. Und dann sitz ich auch wieder da und guck’s mir tausendmal an.

Die wichtigsten Eigenschaften eines Lehrers sind …

… Lust auf Jugendliche, Humor, Lust auf’s eigene Fach und das weitergeben zu wollen … Die Schüler wollen immer Gerechtigkeit von Lehrern, das ist sauschwer, aber man muss schon auch Lust haben, das zu versuchen … Also, man muss sich wirklich für die Leute interessieren, die vor einem sitzen, sonst geht’s nicht – ’nen Draht kriegen zu denen. Und natürlich auch zu dem, was man unterrichten will! Lust haben auf die, denen man’s beibringt und auf das, was man beibringt.

Und wie machen Sie das konkret?

Ah … Ich find Spanisch immer noch supergeil und Englisch auch und Theater auch, also daran scheitert’s nicht! (lacht) Und ich hab auch Lust auf Schüler, voll! Natürlich ist es immer abhängig davon, was jetzt da grad für ’ne Gruppe vor einem sitzt und wie die Chemie ist. Deswegen sind ja immer alle Lehrer so aufgeregt, wenn das neue Schuljahr anfängt und man auf die neuen Gruppen trifft.

Echt?!

Doch doch, weil davon hängt ja wirklich das Glück deines Schuljahres ab einfach mal!! Aber ich mag die Schüler an der Schwitters. Ich hab mir die Schule ja ausgesucht, ich hätte auch an einer früheren bleiben können – aber dort habe ich gemerkt, es stimmt mit der Chemie nicht so ganz. Aber an der Schwitters – die mag ich! Ich hab immer noch Bock auf die. Natürlich gibt’s auch hier alle möglichen Sorten von Schülern, aber ja! Ich bin noch nicht fertig hier. (lacht)

Und wenn Sie ’ne schwierige Gruppe haben, was machen Sie dann?

Dann berate ich mich wirklich intensiv mit meinen liebsten Kollegen. Davon gibt es ja ganz viele an der Schwitters, das ist auch der zweite Grund, warum ich noch da bin. Das ist total gut, dass das so geht bei uns. Da empfinde ich eine riesige Hilfsbereitschaft und großes Vertrauen.

Was kann man denn da überhaupt machen?

Hm, na, das kann man jetzt schwer sagen, es gibt ja tausend verschiedene Fälle. Aber man kann immer was machen! Manchmal verzweifelt man natürlich. Es gibt auch Fälle, bei denen man denkt, uaaah, jetzt weiß ich nicht mehr weiter. Die sind doof, die Fälle. Aber zu irgendwas sind die ja vielleicht auch gut … wer weiß …

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© Kundry Rymon - about:kurt 6/2015-o #4

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