Burka-Verbot – was soll das?

Australien regt zur erneuten Diskussion um ein Verschleierungsverbot an. Man wolle der Terrorgefahr vorbeugen, für die Gleichberechtigung der angeblich unterdrückten Frauen kämpfen – oder die Musliminnen müssten sich unserer Kultur anpassen, um sich zu integrieren. Was soll der Quatsch?    Ein Kommentar

Ich kann verstehen, wenn es manche Menschen unheimlich finden, einer Burka- oder Niqabträgerin zu begegnen. Schließlich sind Menschen häufig verstört von Dingen, die sie nicht kennen bzw. nicht gewöhnt sind: In ganz Deutschland gab es 2016 unter den 82,67 Millionen Menschen schätzungsweise 300 von ihnen!

Was ich nicht verstehe ist, was Gleichberechtigung mit Kleidervorschriften zutun hat. Jeder Mensch sollte selbst frei entscheiden dürfen, wie er* oder sie sich anzieht. Und darin darf nicht eingegriffen werden – erst recht nicht, wenn jemand damit seine Religion auslebt. Im Grundgesetz heißt es schließlich: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“ (Art. 4, Abs. 2)
Eine Statistik darüber, wie viele Musliminnen freiwillig eine Burka tragen, gibt es zwar nicht. Aus einer Studie der Open Society Stiftung zu Niqab-Trägerinnen in Frankreich und Großbritannien geht jedoch hervor, dass alle untersuchten Frauen den Ganzkörperschleier freiwillig trugen.

Ob freiwillig oder nicht – in Frankreich hat das Burka-Verbot nieamndem geholfen. Seit dem 2011 in Kraft getrenen Gesetz sind Schleier, die das Gesicht fast komplett bedecken, in der Öffentlichkeit verboten. Wird man erwischt, droht eine Geldstrafe von 150 Euro und ein Kurs in Staatsbürgerkunde. Doch viele tragen den Ganzkörperschleier trotzdem – oder gerade deswegen, als Zeichen des Protests. Andere bleiben ganz zu Hause.

Die Betroffenen würden lediglich kriminalisiert werden und ausgeschlossen von der Schule, Uni, Arbeit und allen öffentlichen Orten – kurz: der Gesellschaft. Ein Verbot wäre also sogar kontraproduktiv für die Integration! Aus welchen Gründen sollten wir eine solch kleine Gruppe verachten, diskriminieren und ausgrenzen? Wir: Menschen, die in einer Demokratie leben – in einer Gesellschaft, in der jeder sein kann, was ersie will und respektiert werden soll. Das widerspricht nicht nur unserer Verfassung, sondern wäre auch gefährlich: Je mehr Musliminnen sich in Europa ausgeschlossen fühlen, desto offener sind sie für die Hetze des IS. Stattdessen sollten wir tolerant und offen auf betroffene Muslim*innen zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen, um Vorurteile und Ängste abzubauen.

Sollten Burkas auch in Deutschland verboten werden? Sag uns deine Meinung in den Kommentaren!

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