Alles nur Theater?

Wie läuft’s in einem Theaterkurs?

In Theater-AGs machen wir ziemlich verrückte Sachen: Alle bilden einen sehr engen Kreis, einer steht mit geschlossenen Augen in der Mitte, lässt sich nach hinten fallen und wird sanft von einem zum anderen geschubst. Er darf sich nicht bewegen, muss sich hundertprozentig auf die anderen verlassen. Die Übung ist dazu da, das Vertrauen zu den anderen aufzubauen, denn das ist das A und O im Club. Dies ist nur eines von vielen Spielen. Denn auch andere Dinge sind sehr wichtig, damit man gut zusammen arbeiten kann: Improvisation, schnell reagieren, aufeinander achten. Es funktioniert nicht richtig, wenn die Gruppe keine „zusammengeschweißte Truppe“ ist. Man ist extrem von einander abhängig. Keiner kann auf der Bühne „sein eigenes Ding“ durchboxen. Wenn einer nicht zur Probe kommt haben alle ein Problem. Damit man etwas zustande bringt, muss man außerdem oft sehr viel von sich preisgeben, was manchmal gar nicht so einfach ist. Deswegen sind solche Übungen superwichtig, auch wenn sie oft verrückt aussehen.

Was ist toll am Theaterspielen?

Zum Beispiel, dass ich meine Sorgen einfach mal zur Seite schieben kann und mich mit Themen auseinandersetze, die mich interessieren und beschäftigen. Ich kann mal jemand ganz anderes sein und Dinge tun, die ich mich im realen Leben vielleicht nie trauen würde. Außerdem kann ich kreativ werden und mir Figuren und Geschichten ausdenken. Der Fakt, dass man selbstbewusster wird, ist ein hübscher Nebeneffekt. Und dann sind da natürlich die anderen im Club – man macht ziemlich viel zusammen durch, stellt gemeinsam etwas auf die Beine und lernt die Mitspieler dabei so gut kennen wie seine engsten Freunde. Sie können zu so etwas Ähnlichem werden wie eine zweite Familie.

KundRy – 9. Klasse


Kasten 1:

Von der ersten Idee bis zur Aufführung – Erarbeitung einer Inszenierung

In meinem letzten Theater-Club haben wir selbst Stücke entwickelt. Das lief in etwa so ab:

  • September geht’s los – Namenspiele, Kennlernspiele
  • Oktober: Kennlernspiele, später Vertrauensspiele u.ä.
  • November: Vertrauensspiele, Aufeinanderachten-Spiele, Improvisations-Spiele
  • Dezember: viele Impro-Spiele, erste Stückideen – man merkt langsam, in welche thematische Richtung sich das Ganze bewegt
  • Januar: Stückidee entwickelt sich, erste Impros dazu
  • Februar: Impros, neue Szenen, erste Stückfassungen
  • März: Stück wird weiter ausgebaut, weitere Szenen werden ausgedacht + geprobt, improvisiert, Clubleiter_In wird langsam gestresst, Clubfahrt (langes Proben-WE)!!
  • April: Stück ist grob klar, in den Osterferien wird massig geprobt, Clubleiter_In wird sehr nervös, alle anderen nehmen’s aber noch gelassen
  • Mai: die Zeit wird langsam echt knapp, Szenen werden genau geprobt und dann doch gestrichen, jede Woche neue Fassung des Stücks
  • Juni: Letzte 2 Wochen vor Premiere an fast jedem Tag mehrere Stunden Probe, dann 3 Vorstellungen Sa, So + Mo (1x für Schulklassen)

Kasten 2:

Tipps

Interessiert? An unserer Schule gibt es eine Theater-AG unter Julia Gotzmann von der UdK, die es sich lohnt zu besuchen!

Außerdem gibt es in Berlin einige Jugendclubs, z.B. das THEATER AN DER PARKAUE in Lichtenberg (S + U Frankfurter Allee, M13 Rathaus Lichtenberg), in dem 4 Jugendclubs angeboten werden, nach Altersgruppen zusammengefasst (insgesamt von ca. 9-18 Jahren). Die Plätze in den Clubs sind allerdings sehr begehrt, deswegen sollte man sich rechtzeitig anmelden. Am besten also in den Sommerferien oder am Anfang des neuen Schuljahres auf www.parkaue.de gehen, gucken, ob schon Werbung für JUGENDSTIL 2015 gemacht wird und zuschlagen!

Ansonsten gibt es u.a. auch sehr aktive Clubs in der Volksbühne (am Rosa-Luxemburg-Platz) und im Deutschen Theater (in der Schumannstraße) in Mitte. Und ab der Oberstufe hat man außerdem die Möglichkeit, den Kurs „Darstellendes Spiel“ zu wählen.

© Kundry Rymon - about:kurt 3/2014-p

Kommentar verfassen